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Archive for the ‘Fotografie’ Category

Letzte Woche habe ich eine Frau besucht, die bis jetzt in Lemsal arbeitete
und auf dem Lande, im typisch lettischen Einzelhof „Malzemnieki“, wohnte.
Leider ist auch sie jetzt arbeitslos geworden, in den Zeiten dieser „Krise“ –
und auf der Suche nach einer neuen Arbeit. Die meisten Arbeitssuchenden
verlassen ja das Land, gehen nach Riga – oder wandern gleich ins Ausland.
Für sie aber kommt ein Umzug nicht in Betracht. Das Haus ist ihr persönlich
sehr wichtig: Hier lebten ursprünglich alle ihre Vorfahren – auch ihre Mutter,
bevor sie nach Sibirien deportiert wurde.

„Malzemnieki“ liegt zwischen Pale und Allendorf (Aloja), im Norden Lettlands,
nicht weit entfernt von der estnischen Grenze. Hier in der Umgebung gibt es
viele verlassene und verfallene Häuser, und deshalb finde ich es großartig,
daß es Menschen gibt, die ihre Häuser nicht verlassen und sie erhalten wollen
– damit die lettische Einzelhoftradition auch noch in die Zukunft besteht !

Irena – so heißt die Frau – hat mit ihrem Sohn das Haus liebevoll gepflegt –
und auch einen schönen Garten eingerichtet. Aber dort herrscht jetzt Krieg !
Nein, diesmal kein Ausrottungskrieg der Bolschewisten gegen das lettische Volk,
sondern Irenas Krieg gegen eine schon in Sowjetzeiten eingeschleppte Pflanze:
den Riesen-Bärenklau, den wir auf Lettisch kurioserweise „Latvani“ nennen…
Fast jeder Morgen beginnt für Irena mit der Bekämpfung dieser Pflanzen-Pest.
Dieser Bärenklau ist ein großwachsende Pflanze, deren Saft bei jeder Berührung
und oft auch schon beim Darunterhinweggehen oft schwerste Verbrennungen
verursacht, sobald die Sonne leicht auf die betreffenden Hautpartien scheint.
Der Kampf gegen diese Pflanze ist äußerst schwer und erscheint fast unendlich.
Um an europäische Fördergelder zu kommen, müßte das Verbreitungsareal fünf
Hektar umfassen – was es an vielen Stellen in Lettland tut, ohne daß dagegen
eingeschritten würde. Irenas Gebiet ist „leider“ kleiner, aber die Pflanze ist hier
genauso bösartig wie sonst und will der jahrelangen Bekämpfung nicht weichen.
Aber Irena glaubt fest an ihren Erfolg !

Gemeinsam mit Irena fuhr ich zum Friedhof von Allendorf. Hier wird nun bald
das „kapusvetki“, ein lettisches Friedhofsfest (bzw. Gräberfest), stattfinden.
Für uns Letten ist das eine wichtige Tradition, denn dann kommen die Familien
zusammen, um die Gräber ihrer Vorfahren zu besuchen und sich zu erinnern.
Irena pflanzte einige schöne Blumen – und schon begann ein heftiges Gewitter.
Ohne unsere Arbeit wirklich beenden zu können, mußten wir zum Wagen und
fahren. Unterwegs nach Hause konnten wir zum Ausgleich dafür noch etliche
herrliche Naturschauspiele bewundern – so wie dieses hier:

Eine kurze Regenpause erlaubte uns, beim verlassenen Hof „Varnas“ zu halten.
Das früher sehr schöne Haus mit einer großen Wirtschaft ist heute verfallen,
der Garten ist überwuchert, und einen Stromanschluß gibt es schon lange nicht.
Wer wird den Mut haben, das Haus zu kaufen und mit neuem Leben zu füllen ?!
Hoffnung macht Irenas Bericht: Als sie in ihr Elternhaus Malzemnieki zurückkam,
sah alles zunächst genauso aus wie hier. Was für ein unglaublicher Wandel !!!
Es ist also möglich, solche Häuser dem Tod zu entreißen – mit Irenas Energie.
Hoffen wir, daß es noch viele Irenas bei uns in Lettland und überall sonst gibt !

Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll

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Fotos unter :

http://fotki.lv/lv/noskumusi/729598/

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Die Störche sind zurück !

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Am 28. März war ich unterwegs nach Riga. Ich fuhr meine gewohnte Strecke

von Lemsal (Limbazi) nach Riga über Ragana, wo ich drei Storchennester sah

– zwei davon auf Strommasten – , die noch noch zwei Tage vorher leer waren.

Auf ihnen trotzte nun aber wieder jeweils ein Storch dem nassen Spätwinter !

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Diese Störche sind Weißstörche, die aus ihrem Winterquartier im Südlichen oder

Östlichen Afrika über Palästina und Kleinasien nach Europa zurückgekeht sind –

was grob gerechnet 10.000 Kilometer ausmacht !  Sie wissen offenbar genau,

wann bei uns der Frühling beginnt: Noch vor paar Tagen war es in Lettland kalt,

und überall lag noch Schnee, aber genau jetzt begann die Sonne zu scheinen,

und der Schnee ist in wenigen Tagen fast weggeschmolzen !

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Die Einwohner der Lettlands mögen Störche und sind stolz, daß diese Vögel hier

überall anzutreffen ist. Wobei hier genauer gesagt vom Weißstorch die Rede ist:

Versteckt in den Wäldern weitab vom Menschen lebt auch der Schwarzstorch,

den man allerdings kaum zu Gesicht bekommt; über ihn weiß man noch wenig.

Viel besser erforscht ist unser Weißstorch. Vor ein paar Jahren führten lettische

Ornithologen eine öffentlichkeitswirksame Aktion durch, bei der jeweils einem

männlichen und einem weiblichen Storch ein Sender mitgegeben wurde. Über

diese Sender konnte die Öffentlichkeit den Weg der beiden Störche verfolgen –

wobei sie sich allerdings in Afrika so tief in die Büsche zurückzogen hatten,

daß sie von den Forschern nicht mehr über Satellit geortet werden konnten.

Auch die Weißstörche brauchen also zumindest saisonal ihre Privatsphäre !

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Obwohl die Letten den Storch für ihren typischsten heimischen Vogel halten,

so ist er doch ein Neuling in Lettland. Er wurde hier erst im 18. Jahrhundert

heimisch, als man ihn das erste Mal regelmäßig in Kurland antreffen konnte.

Ab dem 19. Jahrhundert lebten Störche auch in Livland und sind hier seither

regelmäßig anzutreffen. In der lettische Folklore wird der Storch daher auch

fast nie erwähnt – die alten Letten kannten diesen Vogel offensichtlich nicht.

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Aber jetzt ist der Storch überall präsent. In Lettland leben nach Zählungen

etwa 10.000 Störche. Ihre Nester sind für jedermann deutlich sichtbar:

Man findet sie auf Hof- oder Kirchendächern, speziellen Ständern für Nester

– und sehr oft auch auf Strommasten, die die Störche zu lieben scheinen !

Wenn die Felder bestellt werden, finden sich oft an die 50 Störche ein,

die dann gemeinsam nach Nahrung suchen – ein herrlicher Anblick !!!

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Wenn ein Storch auf einemn Bauernhof lebt, gilt er fast als ein Mitglied

der Familie – schließlich sieht doch die ganze Zeit, was auf dem Hof los ist.

Jahr für Jahr kehrt der Storch an denselben Platz wie im Vorjahr zurück,

und mit jeden Jahr wird sein Nest dabei durch Zubau größer und schwerer

– so daß schon manches Hofdach auf diese Weise zusammengebrochen ist.

Die Menschen verfolgen oft sehr genau das Familienleben ihrer Störche –

ihre Balz, die Brut und die Nahrungssuche, das Aufwachsen der Jungstörche

und schließlich im Herbst ihren Zug nach Süden. Oft möchte man fragen,

was umgekehrt wohl dieser große Vogel auf unserem Dach über uns denkt

– aber das wird wohl für immer das Geheimnis unseres Hausgastes bleiben.

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Dabei ist nicht nur der Storch Unter- – oder sollte man besser sagen „Über-“

– -mieter des Menschen, nein: Öfters hat er in seinem Nest selbst Untermieter:

kleinere Vögel, die zwischen den Ästen im Nest“unterbau“ ihr Zuhause finden.

Ob unser Storch an deren Leben soviel Anteil nimmt wie wir an seinem ?

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Fur mich zeigt der Storch, wie wunderbar Gott diese Welt geschaffen hat:

Wie findet solch ein Vogel den weiten Weg von Afrika bis zu uns zurück ?

Und wie findet er sein altes Nest ?  Wie weiß er, daß die Zeit gekommen ist,

nach Lettland zurückzufliegen, weil bei uns der Frühling beginnen wird ?!

Gerade in diesem Jahr wurden wir Menschen von den Wetterkapriolen

ständig überrascht, und der Frühling kam für die meisten unerwartet –

nicht aber für Meister Adebar !

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Unser Storch ist ein besonderer Vogel, und es war mir eine tiefe Freude,

ihn als einer der ersten Menschen wieder in Lettland begrüßen zu können.

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll
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Foto: http://www.ornitofaunistika.com/lvp/lvp_ciccic.ht

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Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/725607/

Der Berg der Kreuze ist ein katholisch und touristisch geprägter  Wallfahrtsort  in Litauen unweit von Šiauliai (deutsch: Schaulen, polnisch: Szawle) an der Straße nach Riga. Die Pilger pflegen Kreuze auf den Hügel zu stellen, verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden.

Zu sowjetischen Zeiten wurde mehrfach versucht, die Wallfahrt zu unterbinden. Mindestens dreimal wurden die Kreuze mit Planierraupen niedergewalzt. Da sich die Litauer hier durchsetzten, wurde der Berg der Kreuze auch ein nationales Symbol.

Der Hügel gilt als mittelalterlicher Burghügel, ist also teils künstlich angelegt. Kreuze dürften hier erst im 19. Jh. aufgestellt worden sein. 1900 waren es erst 130, 1940 etwa 400. Heute stehen ca. 55.000 Kreuze auf diesem Hügel, nicht gerechnet die zahlreichen kleinen Kreuzanhänger. Die vom Hügel und den umgebenden Kreuzen eingenommene Fläche beträgt mehr als einen Hektar.

Zu Entstehung des Hügels, dem Aufstellen der Kreuze sowie der damit ausgelösten Wirkungen gibt es zahlreiche Sagen und Legenden.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Berg_der_Kreuze

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Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/396313/

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Der Steinstrand von Livland
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Die livische Küste !  Hier ist die Natur noch so, wie sie sein sollte:

vom Menschen unberührt, aber zugleich ständig in Bewegung,

beeinflußt von Wind, Sonne und Meer.

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Jedes Mal, wenn man hier her kommt, sieht die Strand anders aus.

Es scheint fast, als bewegten sich die uralten Steine von selbst.

Bäume verlieren den Halt, die Erde um ihre Wurzeln wird von der

Ostsee weggespült, deren Wasser oft dicht an die steile Küste reicht.

Menschen dürfen in dieses äonenalten Vergehen nicht eingreifen –

die gesamte Küste steht unter Naturschutz.
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Man nennt diese einsame Gegend, die sich entlang der Küste

über etwa 100 Kilometer von Riga bis zur estnischen Grenze

erstreckt, den „Steinstrand von Livland“ (bzw. von Vidzeme),

oder auf Lettisch „Vidzemes akmeņainā jūrmala“.

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Hier gibt es kaum Menschen, man kann alleine spazieren gehen

oder zusammen mit guten Freunden tiefe Gespräche führen –

oder einfach schweigen und dabei weiter und weiter gehen…

Noch bis zu diesem Baum, nur bis zu diesen Stein dort drüben –

und so merkt man nicht, welch lange Strecke man zurücklegt.

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An diesem weiten Steinstrand ist es zu jeder Jahreszeit schön:

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Im Winter herrschen hier Eis und Kälte, man sieht kein Leben.

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Im Frühling blühen kleine Leberblümchen, und kurz vor dem

Johannistag – die Letten nennen ihn „Jani“ oder „Ligo“ und feiern

an ihm das alte Fest des Nordens, die Sommersonnenwende –

kann man hier traditionelle Heilpflanzen für den Tee pflücken

oder Walderdbeeren sammeln.

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Ein besonderes Erlebnis ist es, die Sommertage hier zu verbringen.

Der Sommer ist in Lettland sehr kurz – er ist die Zeit der Wärme,

auf die man den ganzen Herbst, Winter und Frühling über wartet.

Selbst im Sommer wird das Wasser der Ostsee nur langsam warm,

und manchmal oder eigentlich, je nach Perspektive, auch nie ganz.

Aber wenn dann endlich der Sommer wirklich zurückgekommen ist,

wenn die Sonne scheint und das Wasser sich etwas aufgewärmt hat,

dann ist es einfach ein Genuß, hier zu sein…

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Hier kann man ganz für sich allein sein, von niemandem gestört.

Hier kann man auf dem warmen Sand oder heißen Steinen liegen,

in der Sonne baden, dem Wind zuhören, und mit ein bißchen Mut

schwimmen gehen und so ganz mit der Natur verschmelzen…

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Im Herbst finden sich hier besonders schöne Vogelbeerbäume,

voll roter Beeren, die verraten, daß der Winter bald wiederkommt.

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Der Steinstrand von Livland ist bei Fotografen ein beliebter Ort.

Hier findet man viele schöne Motive, und wenn man Glück hat,

kann man sogar mit einem der letzten noch hier lebenden Fischer

aufs Meer fahren und den Strand von der Seeseite aus genießen.

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Auch ich fahre öfters an diesen mir lange vertrauten Steinstrand,

meistens mit der Kamera, manchmal mit jemandem zusammen,

um mit mit ihm dieses schöne Erlebnis in der Einsamkeit zu teilen.

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Wenn ich es längere Zeit nicht geschafft habe, hierher zu kommen,

frage ich mich oft: Wie sieht es nun an meinem Heimatstrand aus ?

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll


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Landkinder fotografiere ich sehr gerne. Die sind so echt. Oder – noch so echt?

Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/553066/

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Die jetzige Alksnaju iela (Erlenstraße) – ihr letzter offizieller deutscher Name lautete „Reformatorenstraße“ – ist eine des ältesten Straßen Rigas. Und ich habe die Ehre, diese Straße ziemlich gut zu kennen: Mein Büro liegt hier !  Früher wohnte ich sogar eine ziemlich kuriose Zeit lang an diesem kleinen Altrigaer Gäßlein. Es ist immer ein schönes Erlebnis, hier morgens spazieren zu gehen, meist mit der Kamera in der Hand, und zu sehen, wie sich die Sonne in all den kleinen Fensterlein und Fenstern widerspiegelt, wie ihre Strahlen von einem Ende der Straße zum anderen wandern. Auch der Schnee wirkt in dieser Umgebung in ganz eigener Weise. An dieser Straße wohnen und arbeiten besondere Menschen, denn hier befinden sich das Foto-, das Kino- und das Sportmuseum, das Lutherische Jugendzentrum und die Reformierte Kirche – eine echte Film-Szenerie !  Die Reformatorenstraße liegt nahe des Rigenser Hauptbahnhofs, bei den Rigaer Markthallen, neben der Marstall- (Marstalu iela) und der Weber-Straße (Audeju iela), unweit von zahlreichen großen Hotels – aber dennoch weiß kaum jemand, wo sich diese wundervolle Straße befindet. Sie ist mein kleines Geheimnis in Alt-Riga.

Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll

Vizma Belševica  |  Motiv aus der Geschichte Lettlands: Alt-Riga

Winde wüten. Winde heulen. Riga schweigt.
Es schweigen die steinernen Frauen, die entblößten.
Es schweigen die Wappentiere.
Es schweigen die Türme. Auf den Turmspitzen
schweigen die Wetterhähne.

Winde tosen. Winde brüllen. Riga schweigt.
So wie ein Schlüssel schweigt,
wenn um sein Eisen schwitzend
der Puls dessen pocht, der ihn packte.
Der Eroberer kommt stets zu Fall.
Sein Blut auf dem Pflaster
wird schweigen.

Winde rütteln. Winde poltern. Riga schweigt.
Gleichgültigkeit? Stumpfheit? Feigheit?
Frag’ nicht. Du bekommst keine Antwort.
Das Vorübergehende muß schreien.
Sich rechtfertigen. Beweisen.
Das Ewige kann schweigen.

1967
Deutsch von Matthias Knoll

Vizma Belševica (31.05.1931-6.08.2005) war ein lettische Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin.

Mehr Info: http://www.literatur.lv

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