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Archive for März 2010

Fotos unter :

http://fotki.lv/lv/noskumusi/729598/

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Die Störche sind zurück !

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Am 28. März war ich unterwegs nach Riga. Ich fuhr meine gewohnte Strecke

von Lemsal (Limbazi) nach Riga über Ragana, wo ich drei Storchennester sah

– zwei davon auf Strommasten – , die noch noch zwei Tage vorher leer waren.

Auf ihnen trotzte nun aber wieder jeweils ein Storch dem nassen Spätwinter !

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Diese Störche sind Weißstörche, die aus ihrem Winterquartier im Südlichen oder

Östlichen Afrika über Palästina und Kleinasien nach Europa zurückgekeht sind –

was grob gerechnet 10.000 Kilometer ausmacht !  Sie wissen offenbar genau,

wann bei uns der Frühling beginnt: Noch vor paar Tagen war es in Lettland kalt,

und überall lag noch Schnee, aber genau jetzt begann die Sonne zu scheinen,

und der Schnee ist in wenigen Tagen fast weggeschmolzen !

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Die Einwohner der Lettlands mögen Störche und sind stolz, daß diese Vögel hier

überall anzutreffen ist. Wobei hier genauer gesagt vom Weißstorch die Rede ist:

Versteckt in den Wäldern weitab vom Menschen lebt auch der Schwarzstorch,

den man allerdings kaum zu Gesicht bekommt; über ihn weiß man noch wenig.

Viel besser erforscht ist unser Weißstorch. Vor ein paar Jahren führten lettische

Ornithologen eine öffentlichkeitswirksame Aktion durch, bei der jeweils einem

männlichen und einem weiblichen Storch ein Sender mitgegeben wurde. Über

diese Sender konnte die Öffentlichkeit den Weg der beiden Störche verfolgen –

wobei sie sich allerdings in Afrika so tief in die Büsche zurückzogen hatten,

daß sie von den Forschern nicht mehr über Satellit geortet werden konnten.

Auch die Weißstörche brauchen also zumindest saisonal ihre Privatsphäre !

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Obwohl die Letten den Storch für ihren typischsten heimischen Vogel halten,

so ist er doch ein Neuling in Lettland. Er wurde hier erst im 18. Jahrhundert

heimisch, als man ihn das erste Mal regelmäßig in Kurland antreffen konnte.

Ab dem 19. Jahrhundert lebten Störche auch in Livland und sind hier seither

regelmäßig anzutreffen. In der lettische Folklore wird der Storch daher auch

fast nie erwähnt – die alten Letten kannten diesen Vogel offensichtlich nicht.

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Aber jetzt ist der Storch überall präsent. In Lettland leben nach Zählungen

etwa 10.000 Störche. Ihre Nester sind für jedermann deutlich sichtbar:

Man findet sie auf Hof- oder Kirchendächern, speziellen Ständern für Nester

– und sehr oft auch auf Strommasten, die die Störche zu lieben scheinen !

Wenn die Felder bestellt werden, finden sich oft an die 50 Störche ein,

die dann gemeinsam nach Nahrung suchen – ein herrlicher Anblick !!!

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Wenn ein Storch auf einemn Bauernhof lebt, gilt er fast als ein Mitglied

der Familie – schließlich sieht doch die ganze Zeit, was auf dem Hof los ist.

Jahr für Jahr kehrt der Storch an denselben Platz wie im Vorjahr zurück,

und mit jeden Jahr wird sein Nest dabei durch Zubau größer und schwerer

– so daß schon manches Hofdach auf diese Weise zusammengebrochen ist.

Die Menschen verfolgen oft sehr genau das Familienleben ihrer Störche –

ihre Balz, die Brut und die Nahrungssuche, das Aufwachsen der Jungstörche

und schließlich im Herbst ihren Zug nach Süden. Oft möchte man fragen,

was umgekehrt wohl dieser große Vogel auf unserem Dach über uns denkt

– aber das wird wohl für immer das Geheimnis unseres Hausgastes bleiben.

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Dabei ist nicht nur der Storch Unter- – oder sollte man besser sagen „Über-“

– -mieter des Menschen, nein: Öfters hat er in seinem Nest selbst Untermieter:

kleinere Vögel, die zwischen den Ästen im Nest“unterbau“ ihr Zuhause finden.

Ob unser Storch an deren Leben soviel Anteil nimmt wie wir an seinem ?

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Fur mich zeigt der Storch, wie wunderbar Gott diese Welt geschaffen hat:

Wie findet solch ein Vogel den weiten Weg von Afrika bis zu uns zurück ?

Und wie findet er sein altes Nest ?  Wie weiß er, daß die Zeit gekommen ist,

nach Lettland zurückzufliegen, weil bei uns der Frühling beginnen wird ?!

Gerade in diesem Jahr wurden wir Menschen von den Wetterkapriolen

ständig überrascht, und der Frühling kam für die meisten unerwartet –

nicht aber für Meister Adebar !

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Unser Storch ist ein besonderer Vogel, und es war mir eine tiefe Freude,

ihn als einer der ersten Menschen wieder in Lettland begrüßen zu können.

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll
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Foto: http://www.ornitofaunistika.com/lvp/lvp_ciccic.ht

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Ist es bei unseren Nachbarn besser?
Oft hört man, dass Estland weiter sei als Lettland. Das käme vom zusammengesparten Geld im staatlichen Haushalt, und deshalb wäre dort die Wirtschaftskrise weniger zu spüren, es gäbe berechtigte Hoffnungen zur Einführung des Euro während der nächsten Jahre, die Kultur würde effektiver gefördert, es gibt eine neue Nationalbibliothek und ein neues Kunstmuseum.
Anlässlich meiner Teilnahme am Pastoralkolleg in Tallinn nutzte ich die Gelegenheit  und schaute mich dort um, mit der Absicht, festzustellen, ob es unsern Nachbarn wirklich besser geht?
Das alte und das moderne Tallinn
Als wir am Abend in Tallinn eintrafen, fühlten wir uns wie in einem Märchen. Die Türme und Straßen der Altstadt sind beleuchtet und der Schnee unter den Füßen sieht aus wie Speiseeis mit dem Belag von Schokoladenstückchen. Die Esten bekämpfen den Schnee nicht mit Salz sondern mit winzigen Steinchen, die sie hier in Estland zusammengelesen haben, die man nachher im Frühjahr wieder zusammen fegt und in Behältern bis zum nächsten Jahr aufbewahrt. Und Eiszapfen fallen nicht von den Dächern und um Schneehaufen braucht man keinen Bogen zu machen. In der Altstadt von Tallinn ist es recht still, im Zentrum von Riga ist es viel lauter. In der estnischen Hauptstadt sieht man abends fast nur Touristen, die nach einer Weile in einem Restaurant oder in einem Souveniergeschäft verschwinden. Unsere Unterkunft war in einem Hofhaus neben der Heilig Geist Kirche, welche man für eine der ältesten Kirche Tallinns hält. In dieser Kirche verspürt man wirklich den Atem der Antike, den von vielen Füßen abgetretenen Fußboden aus Holz, dänische Fähnchen auf den Holzschnitzreien  (die daran erinnern möchten, dass Tallinn von Dänen gegründet worden sei, obwohl Historiker eine andere Meinung haben), viele Bilder auf den Rändern der Emporen mit Szenen aus den Evangelien. Der Pfarrer könnte über sie an jedem Sonntag predigen, und hätte dabei Stoff für mehr als ein Jahr.
Obwohl ich es mir vorgenommen hatte, in meiner Freizeit das berühmte Kunstmuseum „KUMU“ und die Nationalbiblothek zu besuchen, habe ich diesen Vorsatz nicht wahr machen können. Mich begeisterten die Buchgeschäfte, besonders die Bildbände und die Regale mit Materialien aus der Völkerkunde. Natürlich fand ich dort ausch im Ausland herausgegebene Alben, aber auch Unmengen von in Estland erschienenen Bildbänden. Ich hatte den Eindruck, dass es von jeder Stadt, jeder Insel, jedem Stück Natur ein Buch gäbe! Dann gab es Stapel von Büchern mit historischen Fotos. Die Völkerkunde scheit hier zum „Stil“ zu gehören. Somit ist Ethnographie nicht etwas Verstaubtes, Historisches, sondern kann den Stil prägen! Ja, die Esten möchten Ethnographie gerne modern und unserer Zeit entsprechend präsentieren. In jedem Jahr wird auch ein Preis für Formgestaltung verliehen, und um den zu erhalten muss man Gegenstände mit einem ethnographischen Hintergrund schaffen. Die Ethnographie wird auch von Herstellern der Gegenwart benutzt. So bietet die Strumpfindustrie volkstümliche Socken Säckchen und Handschuhe  an, die als Geschenke gut
zu verwenden sind. Große dicke Bücher mit Fotos und technischen Zeichnungen  und vielen anderen Details berichten von den verschiedenen Gewändern des Volkes. Ebenso gibt es in den Sammlungen der Museen Bücher mit Forschungsergebnissen auf vielen Gebieten, historischedn  Karten. Ich habe Esten gefragt: Woher kommt es, dass es bei euch so viele schöne Bücher gibt?  Sie antworteten: Es sind die Projekte, die Projekte und noch einmal die Projekte.
Doch es gibt auch ein Aber… Die Bücher in Estland sind sehr teuer. Viel teuerer als in Lettland. Deshalb habe ich mich über sie sehr gefreut, viele durchgeblättert und keins nach Lettland mitgenommen. Überhaupt unterscheidet sich das Zedntrum von Tallinn von der Altstadt von Riga durch seine Preise, so dass man den Eindruck hat, dass die Stadtmitte nur für die Touristen gedacht ist, und sich das eigentliche Leben etwas außerhalb der Altstadt abspielt.
Lettische Töne in Tallinn
Plötzlich höre ich in lettischer Sprache: „Ich freue mich sehr, Sie hier zu sehen und mit ihnen lettisch sprechen zu können.“ Der das mit leuchtenden Augen sagte, war kein in Estland lebender Lette, sondern der Pfarrer der deutschen und auch einer estnischen Gemeinde Matthias Burghard. In diesen Tagen ist er der allergrößte Polyglott. Mit den Esten spricht er in einem singenden Estnisch, mit den Deutschen redet er deutsch und mit den Letten lettisch. Eine Station auf dem Lebensweg von Matthias war auch Lettland. Dort hat er zwei Jahre lang die deutschen Gemeinden betreut, danach kehrte er nach Deutschland zurück, und weil danach die Stelle des deutschen Pfarrers in Riga besetzt war, begab er sich nach Estland. Nach seinen eigenen Worten versieht Matthias in Estland vier verschiedene Stellen. Erstens ist er der Pfarrer der deutschen Gemeinde, die eine Gemeinde der Estnischen Evangelisch-lutherischen Kirche ist. Von der Zahl her hat sich die deutsche Gemeinde inzwischen verfünffacht, und deshalb ist inzwischen die Kapelle des Theologischen Institus viel zu eng geworden,. Deshalb finden jetzt die deutschen Gottesdienste im Haus der schwedischen Kirche statt. Seine zweite Stelle ist der Dienst als Hilfspfarrer in einer estnischen Kirchengemeinde – in Nomme, einem Vorort von Tallinn. Die dritte Arbeitsstelle des deutschen Pfarrers ist die eines Lehrers im Englischen Gymnasium, wo er Religion und Philosophie unterrichtet. Viertens begleitet er deutsche Reisegruppen bei ihren Reisen durch das Baltikum, und fünftens korrigiert er die deutschsprachigen Arbeiten von Doktoranden. Im Seminar haben wir gesehen, dass er in Estland am rechten Platz ist, denn Matthias ist gleichzeitig ein deutscher Botschafter in Estland und ein estnischer Botschafter bei den Deutschen. Er ist aujch ein aktives Mitglied der deutschen Gesellschaft, deren Treffpunkt das deutsche Café ist, welches den Eindruck macht, als wäre es aus einer deutschen Kleinstadt hierher geflogen. Doch die Lösung ist ganz einfach: Der Inhaber des Cafés hat die Kunst der
Brot- und Kuchenbackens in Deutschland erlernt und danach in Tallinn dieses Café nach deutschem Vorbild mit dem entsprechenden Sortiment eingerichtet.
Doch – weshalb ist Matthias in Estland und nicht in seiner Heimat tätig? Er berichtet, dass er in Deutschland alle Möglichkeiten des Arbeitens und Lebens gehabt hätte, was für ihn und seine Familie eine sichere Existenz bis zu seinem Lebensende bedeutet hätte. Doch der Pfarrer hatte das Empfinden, dass sich bei einer Absicherung dieser Art sein Denken und Empfinden verändert hätte und ihm sein Vertrauen auf Gott abhanden gekommen wäre, dass Er es ist, der den Auftrag erteilt und sich auch um die Existenz dessen kümmert, dem Er den Auftrag erteilt hat. Für ihn wäre es das Wichtigste, dem Willen Gottes gehorsam zu sein, auch wenn die Zukunft oft völlig ungewiss erscheint und man mit wenigen Mitteln auskommen muss. Deshalb hätte er sich nach Estland begeben. Für Matthias ist es wichtig, nicht anders da zu stehen als seine estnischen Amtsbrüder und Gemeindeglieder:, mit dem gleichen  Einkommen und vielen Arbeitsstellen. „Ich sehne mich nicht nach Deutschland zurück!  Auch wenn ich nicht nie sage! In Estland kann ich viel Neues anfangen!“ Auch hat Matthias Lettland noch nicht vergessen, das ihm noch in sehr guter Erinnerung ist.. Deshalb wagte ich es, ihn zu fragen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Letten und  Ersten er wahrgenommen hat. Der Pfarrer antwortet mir darauf, dass die Esten zurückhaltender seien und man sie am besten durch den Verstand erreichen würde, während die Letten emotionaler und herzlicher wären. Das, was manche Letten dächten, wäre nicht wahr: das sich Esten für bessere Menschen hielten als die Letten. Nein, die Esten lieben ihre Nachbarn und interessieren sich für sie. So haben sich die Esten von Herzen über die olympischen Erfolge der Letten gefreut.
Zwei Kirchen.
In Estland habe ich mehrere Kirchen besichtigt, doch möchte ich ganz besonders zwei erwähnen, die sich sehr voneinander unterschieden. Die erste ist die St. Jakobikirche in Viimsi, unweit von Tallinn. Sie wurde 2007 vollendet und ist so asketisch gestaltet, wie es nur möglich ist. Vom Eingang her betritt der Besucher die Eingangshalle, von der aus man in die Sakristei oder in den großen Gottesdienstraum kommen kann. Hinter dem Altarfenster wiegt sich eine reich mit Tannenzapfen besetzte Tanne im Wind. An den Wänden sehen wir Bilder mit christlicher Thematik. Die Architektur der Kirche macht keinen spezifisch estnischen Eindruck, sondern erinnert eher an  in den 60er Jahren erbaute Kirchen in Deutschland. Für diese Kirche wurden viele Jahre lang Spenden gesammelt und der Patron dieser Kirche war der ehemalige estnische Staatspräsident Lennard Meri, der auch in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Kirche wohnte. Die Kirche war eigentlich viel größer und breiter geplant, aber es fehlte an Mitteln, und deshalb musste das Vorhaben verkleinert werden.
Als wir an die Alexanderkirche in Narwa heranfuhren, waren wir überzeugt, dass wir gleich ein orthodoxes Gotteshaus betreten würden, denn von außen her erinnerte es an eine orthodoxe Kirche – mit einer gewaltigen Kuppel. Und was für ein Gotteshaus sollte sich uns  sonst in dieser Stadt so nah an der russischen Grenze zeigen, in der 80 % der Einwohner nur russisch sprechen? Doch wenn man die Kuppeln der Kirche aufmerksamer betrachtet, dann wird deren Spitze nicht mit einem orthodoxen Kreuz sondern mit dem bei lutherischen Kirchen  üblichen Hahn geziert. Somit ist es ein lutherische Gotteshaus. Es wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Garnisonskirche erbaut und bildete seit langem das lutherische Zentrum von Narwa. Wenn man den Innenraum der Kirche betritt, nimmt es einem den Atem, und man muss den Kopf schon sehr drehen, wenn der Blick die Decke erreichen  soll. Der Raum ist gewaltig groß, und wenn man ihn wieder restaurieren wollte, dann bedürfte es noch einer gewaltigen Menge Geldes. Damit es der Gemeinde gelingt, diese Restaurierung sensibel durchzuführen und damit die dort herrschende schöne und ganz besondere Atmosphäre   keinen Schaden nähme, bedarf es vieler Vorbereitungen. Der große Turm der Kirche ist
bereits restauriert. Die vielen Etagen der Kirche sind durch einen  Lift verbunden. In den ersten beiden Etagen wurde eine kleinere Kapelle für die Gottesdienste erbaut,  denn es ist nicht möglich, im Winter die Kirche zu beheizen. Auf den oberen Etagen ist ein Museum der Kirche eingerichtet und ein kleines Café mit dem Blick auf die Stadt. Nicht weit von dort verläuft unten die estnisch-russische Grenze. In der Alexanderkirche finden zur  Zeit estnische, finnische und russische Gottesdienste statt, was dieser Stadt entspricht, die eine Einwohnerschaft mit einer so vielfältigen Volkszugehörigkeit hat.
Somit – ist bei unseren Nachbarn besser als bei uns?
Auf diese Frage habe ich keine Antwort gefunden. Doch auf meiner Suche nach Unterschieden habe ich viel mehr Gemeinsames gefunden. Im estnischen Historischen Museum habe ich mir den Film „Die singende Revolution“ angesehen, der über die jüngere Geschichte berichtet und dabei die Tradition der Chor- und Liederfeste ausbreitet und die Bilder des estnischen Fotografen Ingmar Mustikus betrachten lässt. Dabei konnte man einfach nicht übersehen, wie viele Parallelen es in den Traditionen und in der Geschichte unserer Länder gibt. Man sollte eher von einer gemeinsamen Geschichte sprechen – die Liederfeste, die Chortradition, die Volkstrachten, die Freiheitskämpfe, die Republik zwischen den beiden Weltkriegen, die Besatzungen, die Waldbrüder und die von Gesang erfüllte Stimmung. Eigentlich ist es schade, dass wir so wenig über unsere Nachbarn im Norden wissen. Und es hört sich wirklich paradox an: damit das alles geschehen konnte, hat mir die Nordelbische Kirche in Deutschland geholfen, die uns dieses Patoralkolleg geschenkt hat, für das ich herzlich danken möchte. Obwohl mich mein Weg öfter nach Estland führt, so weiß ich ich komme trotzdem wieder!

Übersetzung: Johannes Baumann

Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/720853/

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Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/725607/

Der Berg der Kreuze ist ein katholisch und touristisch geprägter  Wallfahrtsort  in Litauen unweit von Šiauliai (deutsch: Schaulen, polnisch: Szawle) an der Straße nach Riga. Die Pilger pflegen Kreuze auf den Hügel zu stellen, verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden.

Zu sowjetischen Zeiten wurde mehrfach versucht, die Wallfahrt zu unterbinden. Mindestens dreimal wurden die Kreuze mit Planierraupen niedergewalzt. Da sich die Litauer hier durchsetzten, wurde der Berg der Kreuze auch ein nationales Symbol.

Der Hügel gilt als mittelalterlicher Burghügel, ist also teils künstlich angelegt. Kreuze dürften hier erst im 19. Jh. aufgestellt worden sein. 1900 waren es erst 130, 1940 etwa 400. Heute stehen ca. 55.000 Kreuze auf diesem Hügel, nicht gerechnet die zahlreichen kleinen Kreuzanhänger. Die vom Hügel und den umgebenden Kreuzen eingenommene Fläche beträgt mehr als einen Hektar.

Zu Entstehung des Hügels, dem Aufstellen der Kreuze sowie der damit ausgelösten Wirkungen gibt es zahlreiche Sagen und Legenden.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Berg_der_Kreuze

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Fotos:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/396313/

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Der Steinstrand von Livland
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Die livische Küste !  Hier ist die Natur noch so, wie sie sein sollte:

vom Menschen unberührt, aber zugleich ständig in Bewegung,

beeinflußt von Wind, Sonne und Meer.

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Jedes Mal, wenn man hier her kommt, sieht die Strand anders aus.

Es scheint fast, als bewegten sich die uralten Steine von selbst.

Bäume verlieren den Halt, die Erde um ihre Wurzeln wird von der

Ostsee weggespült, deren Wasser oft dicht an die steile Küste reicht.

Menschen dürfen in dieses äonenalten Vergehen nicht eingreifen –

die gesamte Küste steht unter Naturschutz.
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Man nennt diese einsame Gegend, die sich entlang der Küste

über etwa 100 Kilometer von Riga bis zur estnischen Grenze

erstreckt, den „Steinstrand von Livland“ (bzw. von Vidzeme),

oder auf Lettisch „Vidzemes akmeņainā jūrmala“.

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Hier gibt es kaum Menschen, man kann alleine spazieren gehen

oder zusammen mit guten Freunden tiefe Gespräche führen –

oder einfach schweigen und dabei weiter und weiter gehen…

Noch bis zu diesem Baum, nur bis zu diesen Stein dort drüben –

und so merkt man nicht, welch lange Strecke man zurücklegt.

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An diesem weiten Steinstrand ist es zu jeder Jahreszeit schön:

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Im Winter herrschen hier Eis und Kälte, man sieht kein Leben.

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Im Frühling blühen kleine Leberblümchen, und kurz vor dem

Johannistag – die Letten nennen ihn „Jani“ oder „Ligo“ und feiern

an ihm das alte Fest des Nordens, die Sommersonnenwende –

kann man hier traditionelle Heilpflanzen für den Tee pflücken

oder Walderdbeeren sammeln.

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Ein besonderes Erlebnis ist es, die Sommertage hier zu verbringen.

Der Sommer ist in Lettland sehr kurz – er ist die Zeit der Wärme,

auf die man den ganzen Herbst, Winter und Frühling über wartet.

Selbst im Sommer wird das Wasser der Ostsee nur langsam warm,

und manchmal oder eigentlich, je nach Perspektive, auch nie ganz.

Aber wenn dann endlich der Sommer wirklich zurückgekommen ist,

wenn die Sonne scheint und das Wasser sich etwas aufgewärmt hat,

dann ist es einfach ein Genuß, hier zu sein…

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Hier kann man ganz für sich allein sein, von niemandem gestört.

Hier kann man auf dem warmen Sand oder heißen Steinen liegen,

in der Sonne baden, dem Wind zuhören, und mit ein bißchen Mut

schwimmen gehen und so ganz mit der Natur verschmelzen…

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Im Herbst finden sich hier besonders schöne Vogelbeerbäume,

voll roter Beeren, die verraten, daß der Winter bald wiederkommt.

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Der Steinstrand von Livland ist bei Fotografen ein beliebter Ort.

Hier findet man viele schöne Motive, und wenn man Glück hat,

kann man sogar mit einem der letzten noch hier lebenden Fischer

aufs Meer fahren und den Strand von der Seeseite aus genießen.

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Auch ich fahre öfters an diesen mir lange vertrauten Steinstrand,

meistens mit der Kamera, manchmal mit jemandem zusammen,

um mit mit ihm dieses schöne Erlebnis in der Einsamkeit zu teilen.

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Wenn ich es längere Zeit nicht geschafft habe, hierher zu kommen,

frage ich mich oft: Wie sieht es nun an meinem Heimatstrand aus ?

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll


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Weltfrauentag – einst und jetzt

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Heute war ich in einer der größten lettischen Ladenketten einkaufen.

Den Einkaufskorb hatte ich sehr bald voller Blumen – Rosen und Nelken.

Und fast jeder kaufte an diesem Tag mindestens einen Strauß Blumen !

Die meisten der Käufer waren dabei auffälligerweise ethnische Russen.

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Warum bestand aber gerade heute ein so übergroßes Interesse an Blumen ?

Feiern ausgerechnet heute so viele Leute Geburtstag oder Namenstag ?!

Nein – die Antwort ist natürlich eine andere: Heute ist Weltfrauentag !!!

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In der Wikipedia steht, daß der „kurz Internationaler Frauentag oder

Weltfrauentag genannte Tag der Vereinten „für die Rechte der Frau und

den Weltfrieden‘ “ weltweit jeweils am 8. März von Frauenorganisationen

begangen wird. „Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf

um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen.“

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Formal gesehen war auch die Sowjetunion ein Erbe dieser hehren Ideale,

und bei aller Unterdrückung und der fast ständigen Gewalt gegen Frauen

wurde der Frauentag hier allgemein hochgehalten. Typische Verlogenheit !

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Irgendwie paßte das aber sehr gut zu den alten lettischen Traditionen,

nach denen zu jedem Anlaß – sei es nun ein romantisches Stelldichein,

ein Geburtstag oder Namenstag, Abitur, Taufe, Konfirmation oder auch

„einfach nur so“ – Blumen geschenkt werden.

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Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, daß der Frauentag ein Tag war,

an dem einem ungeschriebenen Ritual gemäß Männer ihren Frauen,

Töchtern, Müttern und Kolleginnen gratulierten und etwas schenkten –

meistens eine Blume sowie Schokolade als Pralinen oder in Tafelform.

Auch meine Mutter, Oma, Schwester und ich freuten uns immer sehr,

von Vater wieder Blumen und Schokolade geschenkt zu bekommen.

Der Tag hatte eine besondere Bedeutung in unserem Festkalender !

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Da es aber in sowjetischer Zeit im Frühjahr nur wenige Blumensorten gab,

wurden meistens große rote Tulpen verschenkt – und selbst die wurden rar !

Viele Letten haben damals Blumen in privaten Gewächshäusern angebaut

und dann im Auto oder mit der Bahn nach Leningrad gebracht und verkauft

– und damit gutes Geld verdient ! Man mußte es nur irgendwie fertigbringen,

daß die Blumen genau zu diesem Tag aufblühten…

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Von der ursprünglichen Bedeutung des Weltfrauentages ist heute wenig übrig.

Er bietet den Männern eine Gelegenheit, zu allen möglichen Frauen charmant

zu sein, ohne daß es besonders auffallen würde. Sonst kommt das selten vor !

Man spürt noch oft den alten sowjetischen Machismo und seine Verkleidung…

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Andererseits lieben die Frauen den Weltfrauentag aber ohne Einschränkung !

Wenn es in einem Betrieb wirklich nur Frauen und keinen einzigen Mann gibt,

dann gratulieren sich die Frauen wechselseitig – und essen gemeinsam Torte !

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Natürlich gibt es auch noch den Muttertag Anfang Mai, aber der gilt nur den

Müttern – als allgemeine Danksagung der Kinder an ihre Mutter. Heutzutage,

wo immer weniger Frauen Kinder bekommen, ist das noch weniger ein Ersatz.

Und es ist doch eigentlich schon so ein Grund zu feiern, daß man Frau ist !!!

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Die vielleicht größte Freunde haben an diesem Tag aber die Blumenhändler –

ihre Umsätze erreichen Höhen wie sonst nie ! Und es lohnt sich wirklich,

am Frauentag zum Rigaer Zentralmarkt zu gehen und die vielen herrlichen

Blumen zu sehen, die in allen Farben und Formen das Auge verzaubern !!!

Und dann noch all die gut gelaunten Männer und Frauen, die da einkaufen…

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An normalen Tagen werden mehr Blumenkränze für Beerdigungen verkauft

als Blumen, die einem lebenden Menschen Freude bereiten sollen – leider !

Der heutige  8. März war dann aber schon fast wieder ein „normaler“ Markttag –

es blieben nur ein paar Tulpen und Nelken vom einst riesigen Angebot übrig.

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll

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Mehr Fotos unter:

http://fotki.lv/lv/noskumusi/679519/
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Letten lieben Moosbeeren !

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Eine der Beerensorten, die Letten besonders gerne mögen,

die aber in Deutschland fast unbekannt ist, ist die Moosbeere.

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Moosbeeren haben einen ganz besonderen, bitteren Geschmack.

Der kommt vom hohen Anteil an Vitamin C  und anderen Säuren.

Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe werden Moosbeeren traditionell als

eine Art Medizin betrachtet, die gegen Krebs u.a.m. helfen soll.

Das ist sicher alles andere als erwiesen – Tatsache ist es aber,

daß sie ausgezeichnet schmecken !

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Die Moosbeere wächst bevorzugt, wie ja schon die Name sagt,

in Moorgebieten. Der hochdeutsche Name „Moosbeere“ basiert

dabei an der, wie ich erfahre, eher süddeutschen Benennung

„Moos“ für „Moor“. Moore sind auf der Nordhalbkugel bis etwa 71°

nördlicher Breite zu finden, besonders häufig aber im Baltikum,

in Skandinavien,  im nördlichen Rußland sowie in Japan. Verwandte

Formen gibt es auch in Nordamerika, wo die sog. „Cranberry“ gar

industriell genutzt und dann auch nach Europa exportiert wird.

In Deutschland ist die Moosbeere dagegen viel seltener.

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Auf Lettisch heißt sie „dzērvene“. „Dzērvene“ kommt vom Wort

„dzērve“ – Kranich. Wahrscheinlich rührt dieser Name daher,

daß Kraniche gerne in Mooren leben und diese Beeren fressen.

Interessant ist, daß auch auf Niederdeutsch diese Beerenart z.T.

Kraanbeere, Kranbeere oder auch Krammbeer/n genannt wird –

was sich ebenfalls auf den Kranich bezieht. Vielleicht haben wir

Letten hier aus dem Deutschen übersetzt ?!  Das kommt oft vor.

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Moosbeeren werden in Lettland sozusagen für alles verwendet:

zur Herstellung von Getränken, als Obst für Kuchenauflagen,

als Einlage in Joghurts, ja selbst in Schokolade (Lettland hat da

viele nationale Rezepte, die die Industrie sonst verschmäht).

Wir Letten essen sie auch gerne ohne alles andere roh und pur.

Ein deutscher Freund meinte aber nach einem ersten Versuch,

daran müsse man sozusagen von der Kindheit an gewöhnt sein –

ein normaler Mensch könne sie wohl nur als Zutat verwenden.

Fast jeder Lette hat welche in seinem Kühlschrank eingefroren

– auch in meinem Kühlschrank sind immer welche zu finden !

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Neben der Wildform gibt es auch kultivierte große Moosbeeren,

die aber deutlich anders als ihre wilden Verwandten schmecken.

Manche Menschen versuchen daher, in ihrem Garten aus dem

Moor mitgebrachte Beeren anzupflanzen – nicht immer mit Erfolg.

Andere, die gar nicht selber sammeln, kaufen von den Sammlern.

Und für die gesammelten Moosbeeren sollen in Lettland die Preise

im Schnitt höher sein als irgendwo sonst in Europa. Erstaunlich !

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Sobald der Herbst da ist, ziehen die Letten in den Wald, um dort

Pilze und Beeren zu sammeln – und mit allergrößter Leidenschaft

ins Moor, denn hier warten garantiert die Moosbeeren auf sie !

Diese alte Tradition ist bis heute ungebrochen: Auch die großen

lettischen Weltnetz-Portale schmücken ihre Seiten über und über

mit Moosbeeren, sobald die Saisaon angebrochen ist !

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Die Letten haben zumeist keine Angst, sich im Moor zu bewegen –

auch wenn es naß ist und der Boden unter den Füßen schwankt.

Wahrscheinlich erinnern sie sich an Erfahrungen ihrer Kindheit,

denn die Kenntnisse über das Moor werden von einer Generation

auf die andere weitergegeben – die Letten sind ein Volk des Moors.

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In sowjetischen Zeiten hat man auch das Sammeln reglementiert:

So wurden Jahr für Jahr irgendwelche Termine bekanntgegeben,

ab denen man ins Moos gehen durfte. Offiziell sollte so die Ernte

von zu jungen Beeren verhindert und ein optimaler Ernteertrag

gesichert werden. Wahrscheinlich war es aber eine reine Schikane.

Wenn dann der langerwartete Tag gekommen war , strömten ganze

Busladungen von Menschen in siedlungsnahe Moore und richteten

durch ihren konzentrierten Auftritt leider erhebliche Schäden an.

Deshalb hat man nach einigen Jahren dieses Verfahren auf- und

die Zeit des Beerensammelns wieder freigegeben – immerhin !

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Eine der typischen Erinnerungen aus meiner Kindheit ist es,

mit den Eltern ins Moor zu gehen und Beeren zu sammeln.

Natürlich habe ich als Kind nicht genügend Geduld gehabt,

um den ganzen Tag im Moor zu sein und fleißig zu sammeln.

Hinzu kam, daß meine kindliche Nase die im Moor oftmals

herrschenden, eher üblen Gerüche nicht ertragen konnte…

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Nach vielen Jahren Pause bin ich aber im  letzten Herbst doch

wieder in Moor gegangen. Ich wählte ein kleines Moor unweit

der estnische Grenze, denn es sah so aus, als würde niemand

diesen Platz kennen.  Tatsächlich wuchsen hier viele Moosbeeren

– dicht an dicht. Der Boden war glücklicherweise ziemlich trocken,

und überdies schien die Sonne den ganzen Tag, was hier im Norden

nicht immer selbstverständlich ist. So verbrachte ich einen langen

Tag im Moor – bei herrlicher Waldluft und warmer Herbstsonne,

und bis zum Abend hatte ich fast 13 Liter Beeren gesammelt !

Die füllen jetzt meinen Kühlschrank und locken in die Küche…

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll

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Gummistiefel  –  eine rare Ware
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Die aktuellste Ware ist zur Zeit in Lettland – der Gummistiefel !

Die Verkäufer berichten, die Leute kauften sie wie verrückt…

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Warum denn gerade jetzt Gummistiefel verkauft werden ?!

Die Antwort läßt sich leicht finden – direkt auf der Straße…

Überall liegen dort Haufen von schmelzendem Schnee,

überall ist es naß, und bei einem solchen Wetter gibt es

für die Füße nichts besseres als solide Gummistiefel.

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Eine Kollegin, die sonst Wert auf stilvolle Kleidung legt,

trägt nun gelbe Gummistiefel mit einem Blumenmuster,

eine andere sonst auch sehr modebewußte einfache grüne –

weil in ihren Größen keine anderen zu bekommen waren.

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Auch ich laufe dieser Tage in solchen Gummistiefeln umher

– und meine Füße bleiben immer trocken und damit warm !

Meine Stiefel sind sogar schöner als die meiner Kolleginnen

– ich mußte sie zum Glück nicht erst in letzter Minute kaufen,

denn ich hatte noch welche aus dem Vorjahr…

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In vielen Läden sind die Gummistiefel komplett ausverkauft !

Die Verkäufer machen sich inzwischen bereits darüber Sorgen,

was passieren wird und wie sie mit den Kunden umgehen sollen,

wenn wirklich in ein paar Wochen der echte Frühling kommen

und der Schnee dann richtig zu schmelzen beginnen wird…

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Übersetzung: Thomas W. Wyrwoll

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